Werdegang

Durch meine, in den letzten Jahren zunehmende, spirituelle Ausrichtung hat sich natürlich auch die Fahrrichtung des Betriebes verändert.

Es wird nicht mehr geschlachtet, alle Tiere haben ein Recht auf Gnadenbrot, solange sie leben wollen. Wenn sie mir Lebensmüdigkeit signalisieren, erlöse ich sie fachgerecht mit einem Ritual, welches im Laufe der Jahre entstanden ist. Ich bedanke mich dabei für die gemeinsame Zeit und entsende Grüße an jene, die schon gegangen sind.

Die Tiere und ich versuchen eine Art win-win Situation zu leben. Ich sorge für ein schönes Leben in Würde, sie helfen mir bei der Landschaftspflege und kooperieren bei meinen Führungen (beide Seiten schaffen das nicht immer). Seit sie sich sicher außerhalb meines “Beutespektrums“ wissen, wenden sie sich auch Fremden zu. Sie sind nicht nur neugierig, sondern interessiert und zunehmend sensibilisiert.

Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen Kontaktschwierigkeiten haben, finden an der Herde Impulse zur Überwindung von Angst, zum Austesten anderer Kommunikationsebenen.

Es ist mir ein großes Anliegen, diese Plattform überwiegend benachteiligten Menschen zur Verfügung zu stellen. Diese Begegnungen machen so überaus deutlich, wieviel uns die Tiere geben wollen. Es gibt dem Betrieb und der Herde neben der Landschaftspflege eine höhere und wunderbare Sinnhaftigkeit.

Eine Anmerkung: Menschen sind Jäger (bei einem unbewaffnetem Spaziergang in der Savanne wahrscheinlich eher Beute) ,aber es ist ein Unterschied, ob ein Indianer ein Tier erlegt, es ritualisiert würdigt und sich für sein Fleisch bedankt oder ob wir in Massen gequältes Fleisch „erzeugen“, welches niemand in der Menge braucht.. Man mag darüber diskutieren, ob wir Fleisch und Käse brauchen. (Wer Käse konsumiert, denke auch an die Kälbchen, die geboren werden müssen, damit Milch fließt). Nicht diskutierbar und in keinem Fall akzeptabel ist die verantwortungslose, ethisch verwerfliche Massentierhaltung mit ihrem Angriff auf die Würde unserer Mitgeschöpfe. Es ist aber auch klar , dass wir durch unser Kaufverhalten die Landwirtschaft bestimmen. Es gibt kein billiges Fleisch aus artgerechter Haltung!

Es gibt aber Bauern und Bäuerinnen, die sehr fürsorglich und achtsam mit ihren Tieren umgehen, sie auf die Weide lassen und möglichst stressfrei schlachten. Sie verdienen die Unterstützung des Verbrauchers und einen angemessenen Preis. Schauen Sie sich in der Landschaft um, finden Sie “Ihren Bauern“. Und in der Stadt? Auch dort gibt es durch zahlreiche Märkte Kontaktmöglichkeiten. Und auch hier gilt: „wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Ausreden.“

Vision

Für die Zukunft wünsche ich mir eine langfristige Existenzsicherung meiner Herde. Ich möchte Rahmenbedingungen schaffen, in denen der Betrieb sicher eingebettet ist und später auch von einem Nachfolger weitergeführt werden kann. Dazu gehört in erster Linie der Kauf eines eigenen Winterstalles, der den Ziegen auch in der dunkleren Jahreszeit ein schönes Zuhause gibt. Ebenso wichtig ist es, die Herde als Plattform für Begegnungen zu etablieren. Ich möchte , daß der Besucher erfährt, daß Tiere trotz ihrer Andersartigkeit fühlende und „denkende„ Lebewesen sind. Respekt und Achtung vor dem „Anderen“ ist der Grundstein auf dem Weg zu dem , was ich als Menschwerdung verstehe. Wer sich Tieren und der gesamte Schöpfung bei unterschiedlichster Funktionalität dennoch in der spirituellen Essenz verbunden fühlt, ist niemals einsam. Menschen, die sich dieser Verbindung bewußt sind, stellen einen wichtigen Gegenpol dar zur Welt der Diskriminierung und Ausgrenzung.